Roß und Reiter nennen, wenn es um Geld geht

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Money changer

Wie so oft: es geht ums Geld! foto:imtfi888/flickr

Für  200 Euro  seine Seele verkaufen? Für einen Wochenend-Trip nach Bordeaux oder für eine Flasche Wein?

Auch für Blogger gehe es vor allem um eins: Glaubwürdigkeit – schrieb Lewis Perdue kürzlich auf  WINE INDUSTRY INSIGHT. Es sei vollkommen egal, ob das Blog von 10.000 oder von 100 Lesern pro Tag aufgerufen werde, alles stehe und falle mit der Glaubwürdigkeit der übermittelten Information. Und diese Glaubwürdigkeit werde ganz schnell zerstört, wenn bezahlte Artikel sich mit quasi-journalistischer Information und Meinung auf einem Blog mischen.

Um dem Leser klar zu machen, wo es sich um bezahlte Inhalte handelt, haben seriöse Zeitungen und Zeitschriften zwei Methoden entwickelt: „Advertorials“ werden entweder deutlich als solche gekennzeichnet oder sie unterscheiden sich im gesamten Format und der Aufmachung von redaktionellen Inhalten.

In der Blog-Szene gibt es solche durch Konvention fast zum Gesetz gewordenen Unterscheidungsmerkmale nicht. Bei manchem Blog braucht es schon zwei bis drei Blicke oder eine Weile des Mitlesens, damit man merkt, daß hier im Firmen-Interesse geschrieben wird. Manche Blogs kommen journalistisch daher, aber es gibt bezahlte, nicht deutlich gemachte Inhalte. Was ist von versteckter PR zu halten? Kann man jeden Blogger verpflichten Roß und Reiter zu nennen?

Transparenz in Social Media ist ein Thema, dessen Tiefe noch gar nicht richtig ausgelotet ist. Ich habe letztes Jahr dazu schon einmal ein paar Fakten zusammengestellt. Dirk Würtz hat erst unlängst, vielleicht ohne es zu wollen, noch ganz Anderes thematisiert: was ist mit dem im Text versteckten, bezahlten Link, der auf ein kommerzielles Angebot verweist oder der hilft, die kommerziellen Inhalte im Page-Rank nach vorne zu bringen? Der Link, der Verweis ist den Blogs eigen, es macht einen Teil des Reizes aus: das Objekt, über das ich schreibe, führe ich auch direkt per Link vor. Die Unterscheidung zwischen journalistischem Link und bezahltem Link ist für den Leser kaum möglich.

Warum wird unter einem Artikel nicht vermerkt, wenn er durch eine Pressereise entstand? Warum wird so selten vermerkt, wenn es Geschäftsbeziehungen zwischen einem Medienunternehmen und einem Objekt der Berichterstattung gibt? schrieb Thomas Knüwer, Indiskretion Ehrensache, schon letztes Jahr.

Genau hier sollte man anknüpfen: wenn ich über eine bezahlte Reise schreibe, sollte ich sagen, wer diese Reise bezahlt hat, wenn ich über ein Weingut schreibe, sollte ich zumindest erwähnen, daß mir der Wochenendtrip dorthin finanziert wurde. Non olet – das wußten schon die alten Römer. Noch weniger Probleme hätten wir mit einer allgemeingültigen Kennzeichnung.

Lewis Perdue führte ein witziges Beispiel an, wie jemand versucht, klar zu zeigen, daß es hier um bezahlten Content geht. Vielen Lesern sind die Dollar-Noten allerdings gar nicht aufgefallen. Trotzdem sollte man über eine Kennzeichnung nachdenken.

Übrigens: meine derzeitige USA Reise ist komplett selbstfinanziert – ich wollte schon seit einiger Zeit die WSET-Kollegen in NYC besuchen. Und meine letzte Portugal Reise wurde vom Vinho Verde Institut bezahlt – um mich als Jury-Mitglied für den Best of Vinho Verde Wettbewerb zu gewinnen

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