Warum demnächst noch mehr Wein-Fachhändler verschwinden werden

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Leider geschlossen - für immer foto:loop_oh/flickr

Was haben Bilder und Kunstwerke von Jackson Pollock, Louise Bourgeois, Francis Bacon und Damien Hirst mit Weinen von Château Petrus, Lafitte, Mouton oder Clos Vougeot gemeinsam? Sie sind teuer, sie eignen sich als Geldanlage und sie werden mehr und mehr über das Internet verkauft.

Waren Online-Versteigerungen in der Kunst-Welt ein no-go, gibt es jetzt immer mehr Online-Galerien. Bei Christie’s wurden im letzten Jahr bereits 16% der Kunstwerke im Internet versteigert.  Weltberühmte Kunstwerke braucht man dem interessierten Publikum nicht vorzustellen – sie sind ohnehin bekannt. Auch hier eine Parallele zu berühmten Weinen. Aber was ist mit den Troisieme und Quatrieme Crus? Was mit unbekannten Künstlern?

Demnächst wird mit Art.sy einProjekt aus der Taufe gehoben, daß Sammlern Kunst zum Kaufen nach deren persönlichen Vorlieben empfiehlt. Das Prinzip ist von Amazon bekannt. „Es wird nur viel besser sein“ sagte Elke Buhr aus der Chefredaktion des Kunst-Magazins „Monopol“ im Deutschlandfunk.  Die Klassifizierung der Kunstwerke wird von Kunst-Spezialisten vorgenommen und vom The Art Genome Project wissenschaftlich begleitet. Hinter Art.sy steht viel Geld. Zu den Investoren gehört unter anderen auch Google Ex-CEO Eric Schmidt.

Die Idee des Kunst-Projektes ist bestechend: je besser es gelingt, den Geschmack des einzelnen Kunden zu treffen und darüber Vertrauen aufzubauen, desto eher werden die Sammler bereit sein, auch Unbekanntes zu kaufen.

Vertrauen beim Wein würde bedeuten: es muß genug Expertise dahinter stehen – Parker-Punkte und Medaillen sind ein Anfang. Als weiteren Baustein könnte man sich ein Netzwerk kompetenter und vertrauenswürdiger Personen vorstellen.

Schon jetzt haben stationäre Fachhändler mit Schwerpunkt Fine Wines zu kämpfen, weil der Markt sich immer mehr ins Internet verlagert. Jeder, der schon einmal in einem solchen Haus gearbeitet hat, wird die jungen Herren mit ihren Smartphones kennen, die an den Regalen entlangschlendern und die Preise online abgleichen. Die gleichen jungen Herren kommen auch gerne zur Grand Cru Probe. Wenn sie gut erzogen sind, verabschieden sie sich am Ende des Abends mit einer Anstands-Flasche. Andernfalls haben sie auch die anderen Proben-Gäste mit ihren Internet-Preisen verrückt gemacht.

Man muss nicht Prophet sein, um vorhersagen zu können, daß es stationäre Fine Wine Händler zukünftig immer schwieriger haben werden. Wein+Markt zitiert in seiner aktuellen Ausgabe Schlumberger Geschäftsführer Rudolf Knickenberg, der sich indiesem Sinne zur Schließung von FUB äußert.

Der stationäre Händler ist schon deswegen dem Internet-Handel gegenüber im Nachteil, weil er Geschäft, Personal und Lager vorhalten muss. Der virtuelle Handel braucht die Weine noch nicht einmal vorrätig zu haben – sie werden im Zweifelsfalle direkt vom Erzeuger oder Großhändler aus versandt.

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