Wein darf nicht „bekömmlich“ sein

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Wein darf auf  Etiketten und in der Werbung nicht mehr als „bekömmlich“ bezeichnet werden. Das hat jetzt das Verwaltungsgericht Trier in einer Sache gegen die Winzergenossenschaft Deutsches Weintor aus Ilbesheim entschieden. In ihrer „Edition mild“ hatte die WG einen Dornfelder und einen Grauen Burgunder/weißen Burgunder als „besonders säurearm und bekömmlich“ bezeichnet.

Dornfelder aus der Edition MILD Deutsches Weintor

Dornfelder aus der Edition MILD Deutsches Weintor

Die Ilbesheimer hatten zum Säure-Abbau ihrer Edition mild auf den Seiten des DWI geschrieben, „durch die Auswahl ganz bestimmter Bakterienstämme ließ sich der Säuregehalt des Weines erheblich reduzieren“. Dem Verfahren hatten sie den Namen „LO3-Schonverfahren“ gegeben.

Das Gericht entschied jetzt, der Begriff „bekömmlich“ sei „eine gesundheitsbezogene Angabe“, die nach EU-Recht für Getränke mit einem Alkoholgehalt von mehr als 1,2 Volumenprozent verboten sei (Az.: 5 K 43/09.TR). Punktum.

Der Spruch aus Trier kann als Muster-Beispiel für eine wirklichkeitsferne Entscheidung am grünen Tisch gewertet werden. Jeder der im Verkauf mit Wein zu tun hat, erlebt es jeden Tag:  die Bekömmlichkeit eines Weins steht für die Kunden ganz obenan! In nahezu jedem Verkaufs-Gespräch steht das Thema ausgesprochen oder unausgesprochen im Raum!

Gilt bei der Beratung jetzt das Radio Eriwan-Prinzip:  Ist dieser Wein denn auch bekömmlich?Im Prinzip ja, aber laut VG Trier ist mir verboten das zu sagen!

Das Urteil macht klar, wo es hingeht: es gibt eine starke gesellschaftliche Tendenz, die Wein und Alkohol unter die Drogen einordnen will. Warning-Labels, Werbeverbote und andere restriktive Maßnahmen sind die Mittel, die die Politik und der Gesetzgeber sieht. In diesem Sinne soll der Weinwirtschaft auch vorgeschrieben werden, wie sie über ihr Produkt kommuniziert.

Die Weinwirtschaft sollte die Zeit bis zu neuen Kampagnen, die nach der Bundestagswahl kommen werden, für eignene Ideen nutzen. „Wine in Moderation“ ist eine gute Initiative  und verlangt mehr Unterstützung.

Übrigens: auf die professionellen Abmahner kommt jetzt viel Arbeit zu. google weist für die Kombination „Wein + bekömmlich“ 39.400 Fundstellen aus!

Gegen das Urteil kann Berufung beim OVG Koblenz eingelegt werden.

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