Weinhändler – ewig allein oder gemeinsam stärker?

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Gemeinsam ist man weniger allein – gemeinsam kann man aber vor allem stärker sein. Ein gutes Beispiel ist der Weinbund Berlin, der am letzten Wochenende seine Jahrespräsentation im Logenhaus hatte.

Weinbund Berlin Jahrespräsentation 2011

Weinbund Berlin Jahrespräsentation 2011 foto:Weinbund Berlin

400 Besucher konnten aus 300 Weinen auswählen. Die 10 Mitgliedsfirmen des Weinbundes engagieren „sich für die Förderung einer nachhaltigen Weinkultur in der deutschen Hauptstadt.“ Jeder hat sein eigenes Profil und mancher schafft bei seinen Veranstaltungen, ähnliche Besucherzahlen zu generieren – aber die Jahrespräsentation hat sich als festes Datum im Kalender der Berliner Weinfreunde etabliert.

Außer der jährlichen Präsentation betreibt man eine gemeinsame Webseite, die kürzlich neu gestaltet wurde. Es gibt einen Weinbund-Wein, der in allen Geschäften verkauft wird und man führt Weinseminare und Tastings durch, die gemeinsam beworben werden. Auch zur großen Präsentation lädt jeder seine Kunden ein. Der Weinbund ist keine juristische Person – man trifft sich einmal im Monat – alles funktioniert auf Zuruf. Die Webseite wird von einem der Mitglieder betreut, die Pressearbeit von einem anderen, …

Weinhändler sind Individualisten und es ist schwierig, mehrere auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. In Berlin haben sich altbekannte Adressen wie Hardys, Wein&Glas und Rolf Paasburg 1999 mit damaligen „Newcomern“ zusammengetan. Vom gemeinsamen Weinbund profitieren sie alle.

GEV Osnabrück

Wie schwierig es ist, Weinhändler zusammen zu bringen, können alle berichten, die es unter den verschiedensten Vorzeichen versucht haben und noch versuchen. Da ist zum Beispiel die GEV in Osnabrück mit ihrem „Weinspektrum – Fördergemeinschaft führender Weinfachhändler„. Besonders weinaffine Kunden des Großhändlers haben sich für gemeinsame Verkaufsaktionen zusammengetan. Von Osnabrück aus werden Marketingmaßnahmen wie Mailings, Gutscheine oder eine Kundenzeitschrift koordiniert. Auch das Weinspektrum legt Wert darauf, daß seine Mitglieder „Individualisten“ sind. Die GEV ist auch Mitveranstalter bei der Nacht der guten Weine. Selbst bei einer solch populären Veranstaltung, scheint es schwierig zu sein, alle Mitglieder fürs Mitmachen zu begeistern.

Wein Live e.V.

Die Vertretung gemeinsamer Interessen, die Förderung eines Qualitätsimages für den Wein-Handel durch hochwertiges Marketing und Qualifizierungsangebote hat sich Wein Live auf die Fahnen geschrieben. Nach einem vielversprechenden Start in 2006/07 ist es ruhig um den Verein geworden. Vom Zertifizierung-Prozeß nach einem gemeinsamen Qualitätsstandard, einem Kernstück der Vereinsarbeit, hört man wenig. Es gibt zwar eine Webseite zum Thema, auf der man zertifizierte Mitgliedsbetriebe finden kann, aber mit der Zertifizierung scheint es genauso schwierig zu sein, wei bei der Mitgliedergewinnung. Bei der Gründung war man mittelfristig von 450 Mitgliedern ausgegangen – damit hätte der Verein eine Größe, die genug Mittel für ein gemeinsames Marketing und eine Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit bereitstellt. Heute, sechs Jahre später ist man bei 90 Mitgliedern. Auch Wein Live fördert die Nacht der guten Weine – die Resonnanz unter den Mitgliedern ist ähnlich wie bei der GEV.

SHW – stationäre hauptberufliche Weinhändler

Als letztes Beispiel sei Rolf Cordes genannt. An seinem Beispiel sieht man, was angenommen wird und was nicht. Cordes hatte seinerzeit den Versand-Rahmenvertrag mit UPS für die IG Wein & Versand ausgehandelt und über Wein Plus bekannt gemacht. Nach anfänglicher Skepsis nutzen heute circa 1.000 Winzer und Händler die günstigen Konditionen. Die Bündelung bringt geldwerte Vorteile – eine andere Bindung gibt es nicht.

Mit seinem neuen Projekt SHW – stationäre hauptberufliche Weinhändler verfolgt Cordes ein ähnliches Ziel, wie der Wein Live Verein. Aufmerksamkeit durch gemeinsames Marketing. Der Direkt-Import-Preis, bei dem Endverbraucher im Rahmen eines Wein-Abos zum Großhandelspreis einkaufen können, soll für die notwendige Aufmerksamkeit sorgen. Nach dem Start des Projektes im Herbst 2011 ist Cordes zwar nicht frustriert,“weil ich sie ja kenne, die Kollegen!“ – aber er hatte wohl nicht damit gerechnet, daß er mit nur 15 Partnern an den Start gehen würde.

An Cordes Beispiel sieht man, daß sich die Händler -salopp ausgedrückt- die Rosinen rauspicken. Vorteile ja – Bindung nein. Auch wenn nach wie vor jeder für sein eigenes Geschäft verantwortlich ist – nur über gemeinsame Aktionen ist mit einem moderaten Mitteleinsatz die Aufmerksamkeit zu erreichen, die für eine so diversifizierte Branche wie den Weineinzelhandel dringend notwendig ist.

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