Bio begeistert nicht alle

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EU - Biokennzeichnung foto:Leufstedt/flickr

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Umwelt, Bio, Öko begeistert nicht alle. In manchen Bevölkerungsgruppen stossen diese Worte eher auf Skepsis oder Ablehnung. Dies scheint das Ergebnis einer bisher unveröffentlichten Studie des Sinus-Institutes Heidelberg zu sein. Prof. Franz Walter von der Universität Göttingen stellte sie vorab im SPIEGEL vor.

Bio wird vor allem von der jungen „neuen Unterschicht“ abgelehnt, die sich gesellschaftlich zu kurz gekommen sieht. Umwelt-Appelle werden von ihr als Gängelung und Verbot der letzten Spaß-Refugien gesehen: Auto, Alkohol, Tabak, Food.

Aber auch im Millieu der bürgerlichen Mitte und hier im mittleren Alter ist man bio-skeptisch. Man sieht eher die Skandale als die Chancen und vermutet gesunde Lebensmittel eher beim Bauern am Stadtrand als im Bio-Regal des Supermarkts.

Bio ist nach der Studie eher etwas für die Generation 45+: gebildet, einkommenstark, post-materiell. Bio hochwertig und edel kann für sie Unterscheidungsmerkmal sein. Dazu verbunden mit höchst materiellen Aspekten: Umwelt- und Bio-Engenieering als Wachstumsmotor statt Automobil und Atomkraft.

Nachhaltig leben ausgerechnet diejenigen, in deren Wortschatz das Wort „Nachhaltigkeit“ garnicht vorkommt. Das austerbende „traditionsverwurzelte Milieu“ spart Wasser, trennt Müll, verbraucht wenig Energie und fährt Bahn und Fahrrad.

Fazit: Was auf den ersten Blick wie ein Abgesang auf Öko und Bio aussieht, ist bei näherer Betrachtung ein starkes Argument für Öko und Bio! Wer seine Hauptzielgruppe, wie die meisten Wein-Fachhändler in der 45+ Generation hat oder auch noch die Älteren bedient, sollte unbedingt Bio-Artikel im Sortiment haben. Die Weine brauchen eine Geschichte, Personen dahinter, eine hochwertige Ausstattung  –  und sie dürfen ruhig etwas teurer sein!

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Ein Kommentar

  1. Ich kann Ihre Schlussfolgerung nur aus dem direkten Kontakt mit meinen Weinkunden bestätigen – und dahin gehend ergänzen, dass – zumindest in Frankreich – die angesprochene Gruppe auch durchaus schon bei den 35 Jährigen anzusetzen wäre, die hier auch in Diskussionsforen rund um Wein die Mehrzahl der neueren Teilnehmer bilden.

    Hochwertige (und höherpreisige) Weine aus natürlichem Anbau und ebensolcher Weinbereitung finden sich ja nicht nur bei Weingütern, die das Biolabel marketingwirksam aufs Etikett drucken, sondern, und das hat sich in Fachkreisen eben auch dank Internet inzwischen immer mehr herumgesprochen, schon lange unter den renommierten Spitzengütern, da, wo man sich schon seit vielen Jahren um nachhaltige Qualitätssicherung bemüht – Burgund ist da ja nur ein Beispiel…

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