Naked Wines: Kunden finanzieren den Wein der Winzer vor

| 7.423 mal gelesen | 1 Kommentar |

Geschäftsmodell: die Kunden abstimmen lassen, welche Weine ins Sortiment kommen. Weintrinker und Winzer zusammen Weine machen lassen, die den einen schmecken und von denen die anderen leben können. Geld von den Kunden sammeln, um gezielt kleine Produzenten zu unterstützen. Im Social-Media-Zeitalter ist das technisch möglich. Und wird seit zwei Jahren auch bereits erfolgreich praktiziert.

Homepage Naked Wines

Naked Wines Homepage

Naked Wines ist ein selbsternannter „Winzer-Marktplatz“ in Großbritannien, der genau das zum Geschäftmodell gemacht hat. Im Einzelnen geht das dann so: Benjamin Darnault aus Minervois braucht 1.000 Naked Wines Kunden, die je einen 6 Flaschen seines Weins kaufen und das Speziealcuvee kommt zustande. Wer sich vor der Abfüllung des fertigen Weins am Projekt beteiligt, zahlt dafür 27,24 GBP. Ist der Wein einmal in der Flasche kostet der Karton 56,94 GBP. Je nach Wein und Winzer kann das auch noch ausdifferenzierter sein:  am Stock gekauft, nach der Ernte, in der Flasche, auf dem Schiff oder auf der Insel bekommt man einen anderen Preis. Kunden, die bei solchen Aktionen mitmachen, haben zudem die Chance Freebis zu erhalten oder Tester für den neuen Jahrgang oder neue Weine zu werden.

Im Schnitt 50.000 GBP finanzieren die Naked Wine Kunden pro Wein vor. Dafür ist er dann eventuell günstiger als beim Winzer, schrieb das Fachblatt Harpers.  Winzer Nach eigenen Angaben sind es zur Zeit rund 20.000 Kunden, die 22 Winzer fördern. „Auf die Dauer ist das zuwenig“ sagt Gründer und Naked Wines Chef Rowan Gormley in einem Interview. Doch sei es sehr schwierig Winzer und Kunden für das Modell zu gewinnen. Obwohl es genial sei: „In einer 10 GBP teuren Flasche im Supermarkt ist nur für 3 GBP Wein drin“ erklärt er „alles andere ist Transport, Marketing und Marge. Das schneiden wir weg.“

Naked Wines nimmt für seine Dienste einen moderaten Aufschlag. 5 Prozent üblicherweise.  Das Unternehmen wurde 2008 gegründet, 2009 wurde der Umsatz verdoppelt. Bei jetzt 9 Mio GBP Umsatz bleibt noch ein Minus, aber verläuft die Entwicklung weiter positiv, sollen 2010 schon schwarze Zahlen geschrieben werden.

Auf der Naked Wine Seite kann man mit den Winzern an ihrer Pinwand chatten, so wie man das aus Blogs oder von facebook gewohnt ist. Auf der Homepage läuft eine Timeline, fast so wie bei Twitter. 2009 konnte Jamie Oliver als Partner gewonnen werden. Der Naked Chef wirbt für Naked Wines.

Das hört sich alles toll an: aber Naked Wines ist auch ein ganz normaler Online-Weinhändler, der ganz normale Weine verkauft. Allerdings hat Rowan Gormley auch hier mit einigen britischen Gewohnheiten aufgeräumt: bei Naked Wines gibts keine hohen mindestbestellmengen mehr und die Weine kommen im 6er Karton, wo sonst oft noch auf der Abnahme von 12er Kartons bestanden wird. Dazu komm die konsequente „next-day-delivery“.  Das ist sicher auch Bestandteil des Erfolges. Doch auch in diesem Teil des Geschäftes sind die Kunden mit eingebunden: zu jedem Wein dürfen Beurteilungen abgegeben und diskutiert werden. Konsequent baut Naked Wines Mitmach-Elemente in sein Geschäft ein.

Gormley koketiert gern damit, daß er von Wein keine Ahnung hat. Er kommt aus der Finanzbranche und hat für Richard Branson Virgin Money gemacht. Später kam dann Virgin Wines dazu. Nach der Trennung von den Virgin Brands gründete Gormley 2008 Naked Wines. Den Weinverstand hat er sich dazu geholt: mit 40% ist der weltweit größte Wein-Direktvermarkter an der Gesellschaft beteiligt. Teihaber ist die deutsche WIV AG aus Burg Layen, formerly known as Pieroth.

Das könnte Sie auch interessieren:

Ein Kommentar

  1. Pingback: Wein auf dem Weg in den F-Commerce

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.