So wird 2011 – die Themen des Jahres

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David Meerman Scott - Zukunft gelasssen angehen Foto:hubspot

David Meerman Scott - Zukunft gelasssen angehen: einfach mal zurückschauen Foto: hubspot

Was bringt 2011? In die Zukunft zu schauen ist so schwierig – und doch auch so einfach. David Meerman Scott meinte kürzlich zur Zukunft von Social Media Marketing befragt, man solle einfach mal etwas weiter in die Vergangenheit zurück blicken. Vor 10 Jahren hatten wir e-commerce als den Riesen-Hype, heute ist e-commerce tägliches Geschäft. Genauso sieht er Social Media Marketing: morgen ist das eine ganz normale weitere Variante im Marketing, ein weiterer Kanal zum Verbraucher unter vielen. Das wir alle bis dahin noch viel zu lernen haben, versteht sich von selbst.

Facebook wird Drehscheibe

Das dieser Prozeß viel schneller sein kann, als man glaubt, ist zum Beispiel an der Verbreitung von Facebook abzulesen. Da hat sich im letzten Jahr in Deutschland viel getan – in 2011 dürften die User-Zahlen weiter steigen und eine Konsoldierung eintreten: fürchteten in den letzten beiden Jahren viele, etwas zu verpassen wird das Thema Facebook von Firmen ruhiger und besonnener angegangen. Wird Facebook die Blogs und Twitter verdrängen? Eher nicht, aber schon in den letzten beiden Jahren hat sich die Diskussion immer mehr zu Facebook hin verlagert: Blog-Artikel werden auf Facebook (kurz) kommentiert, komplette Angebote wie zum Beispiel Dirk Würtz neue Video-Seite lassen sich über eine Facebook-App betrachten. Der User braucht nicht mehr „umzuschalten“.   Facebook steht für schnelle Information und Austausch mit Gleichgesinnten.  An Facebook geht kein Weg mehr vorbei: für viele wird es das Fenster zum Internet.

Online legt weiter zu

Der Online-Handel wächst nicht nur allgemein (jeweils 20% in den letzten beiden Jahren) – auch Wein- und Food-Angbeote boomen. Während sich neue Formate wie TVINO schwer tun, entwickelt sich der konventionelle Online-Handel prächtig. Gourmondo und Tegut gingen eine Online-Allianz ein.  Im Wein startete Jacques‘ 2010 mit einem Versand und Amazon eröffnete seinen Food- und Wein-Marktplatz. Um eine Online-Präsenz mit Shop kommt man in 2011 kaum noch herum – wer hier wirklich erfolgreich sein will, muss allerdings richtig einsteigen: Optimierung, Affiliate-Marketing, ….

Billig ist nicht alles

Billig ist nicht alles – wie der Branchenreport 2010 der Lebensmittelzeitung feststellte. Neben dem Preis legen die Verbraucher Wert auf Qualität, Service und freundliche und kompetente Mitarbeiter. Und das selbst in den Krisenjahren. Die Kunden sind anspruchsvoller geworden – gerade hier kann der Fachhandel punkten. Die Herausforderung wird 2011 darin bestehen, neben dem Sortiment auch den gesamten Verkaufsprozess noch mehr am Kunden zu orientieren. Dazu gehört Transparenz, eine offene und niveauvolle Kommunikation und ein ausgefeiltes Service-Angebot: Test-Pakete, Lieferservice, Veranstaltungen, …

Thema Alkohol

Nachdem Frau Bätzing abtrat, wurde es an der offiziellen Alkohol-Front ruhiger. Ihre Nachfolgerin fährt eine deutlich unaufgeregtere und weniger auf Publikum bedachte Linie. Trotzdem ist das Thema weiterhin in den Medien präsent und die Auflagen aus Brüssel liegen weiterhin auf dem Tisch. Nach den ersten Erfahrungen in Baden-Württemberg mit dem nächtlichen Alkoholverkaufs-Verbot wird auch in anderen Bundesländern darüber diskutiert.

Unklar ist, ob die 2011 anstehenden Wahlen in 7 Bundesländern diesen Prozess eher bremsen oder ihn beschleunigen. Der überraschend klare Tabak-Entscheid in Bayern spricht dafür, dass man sich auch mit dem Kampf gegen Alkoholmißbrauch und -Exzesse positiv profilieren kann.

Nach Öko und Bio kommt Nachhaltigkeit

Der Bio-Boom war in den letzten Jahren vor allem vom LEH getrieben. Hier gibt es zwei Perspektiven: aus der Produzenten-Perspektive wurden Mengen nachgefragt, die kaum zu erzeugen respektive zu beschaffen waren. Ein Beispiel: der Côtes-du-Rhône bei Aldi – die Courtiers hatten Mühe die Mengen aufzutreiben. Aus der Sicht des Handels haben sich die Erwartungen nicht erfüllt – das ursprünglich als Profil-Sortiment geplante Angebot brachte viel Arbeit und Diskussion, bis man zur Erkenntnis gelangte, dass die zahlungskräftigen und -bereiten Öko-Käufer doch weiterhin lieber in den Bio-Supermärkten einkaufen. In 2011 werden die Sortimente weiter langsam zurückgefahren. REWE beendet Anfang 2011 seinen Ausflug in den Bio-Handel und schließt seine fünf  Vierlinden-Märkte . Öko kehrt in seine Nische zurück, hat aber durch den Boom gewonnen und ist professioneller geworden.

Der Wein-Fachhandel konnte sich mit Bio nie richtig anfreunden: waren anfangs die Qualitäten der Bio-Erzeuger tatsächlich verbesserungswürdig, redete der Handel im weiteren die Weine schlecht um sein restliches Sortiment nicht zu gefährden. So konnten die Fachhändler nicht vom Boom profitieren. Jetzt tauchen die ersten Fairtrade und CO² neutral erzeugten Weine im Handel auf – tatsächlich lassen sie sich im Kundengespräch viel einfacher an den Mann / die Frau bringen, da sie auf Vorinformation und Zeitgeist treffen und frei von ideologisch besetzten Diskussionen sind. Aufkommende Themen in diesem Zusammenhang: Kinder-Sklaven in der Kakao-Erzeugung, Tierwohl bei Fleisch und Geflügel, Überfischung der Meere.

Nachhaltigkeit heißt das neue Schlagwort unter dem noch jeder etwas anderes versteht – der Fachhandel hat hier eine neue Möglichkeit der Profilierung. 2011 gilt es, die Abfahrt des Zuges nicht zu verpassen.

Deutscher Wein wird knapp?

Die kleine Ernte im Herbst 2010 wird den Fachhandel nur insofern treffen, als einige Hersteller versuchen, die Preise nach oben zu bringen. Eine Verkanppung wird es nicht geben: immerhin steht der Fachhhandel für die höchsten Preise. Der LEH wird bei Beschaffungsproblemen bei deutschem Wein verstärkt auf ausländische Weine zurückgreifen. Gleichzeitig sind in 2010 Umsatz und Absatz bei Wein erstmalig nach langem gesunken: das wird jede Menge preiswerte Weine in den Handel bringen und die Preis-Wahrnehmung auch bei den Fachhandels-Kunden entsprechend beeinflussen.

Discount am Limit

30% Marktanteil haben die Discounter beim Wein. Mehr dürfte nach Einschätzung von Weinwirtschaft Chef-Redakteur Pilz nicht drin sein. „Fine-tuning ist angesagt“ schrieb er kürzlich. Die Discounter werden auch 2011 neue Konzepte ausprobieren und sich beim Fachhandel etwas abschauen wollen. Die Keller-Weine beim ALDI sind ein erfolgreiches Beispiel. Hier dürfte es weitergehen. Das trotzdem nicht alles so ganz einfach zu sein scheint, beweist LIDL: von dem groß angekündigten Viajero-Projekt war schon eine ganze Weile nichts mehr zu hören.

Chancen für Winzer und Fachhandel

Die Kunden sind anspruchsvoller geworden und erwarten beim emotionsaufgeladenen Produkt Wein neben Qualität gute Stories, Service und Nähe. Der Rückzug ins Private wird aufgrund der immer noch widrigen Aussenwelt (ungewisse Konjunkturentwicklung, steigende Kosten, heraufziehende Inflation, Bedrohung durch Terrorismus) weiter gehen. Homing war das Stichwort für 2009/10 und wird es auch in 2011 bleiben. Hier liegt die große Chance für alle, die den Verbrauchern helfen, es sich zu Hause gemütlich zu machen:  für Winzer mit persönlichen Weinen und Händlern mit persönlichem Verkaufen.

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