So geht es nach Öko und Bio weiter

| 10.157 mal gelesen |

Das neue Nachhaltigkeits-Siegel

Das neue Nachhaltigkeits-Siegel

Welche offenen Türen rennt das Deutsche Institut für Nachhaltige Entwicklung (DINE) eigentlich noch ein – fragt man sich beim Erstkontakt.

Bio hat aus Handelssicht die Erwartungen nicht erfüllt -zu ideologisch besetzt um in der Breite wirklich erfolgreich sein zu können. Beispiele aus jüngster Zeit: Lidl fährt seine Bio-Sortimente zurück, Netto ist vom ehemaligen Plus-Engagement weit entfernt und bei REWE/Penny blieb es für Bio auch in der Boom-Zeit bei einem Schattendasein. „Bio-Euphorie im Discount verblasst“ titelt die Lebensmittelzeitung (LZ) kürzlich. Die GFK bescheinigt mit 5,8 Mrd. Euro ein Verharren des Bio-Segments auf Vorjahresniveau. Folgt man LIDL Einkaufs-Vorstand Robin Goudsblom, ist Bio neben dem preisorientierten konventionellen Angebot zusammen mit Fairtrade ein ganz normaler Sortimentsbestandteil für zahlungskräftige Kunden geworden.

Jetzt setze der Handel eine neue Agenda, meint die LZ – Nachhaltigkeit heißt das Thema.

Ich frage Anna von der Emde, Geschäftsführung Wein bem DINE Heilbronn, inwieweit das Heilbronner Institut mit dem Handel zusammenarbeitet. Noch sei es schwierig, dem Handel deutlich zu machen, was eine Zertifizierung für Nachhaltiges Wirtschaften beinhalte, meint sie. Es gebe viele verschiedenen Ansätze – viele Hersteller und Händler definierten eigene Programme. „Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet ökologische Verträglichkeit, soziale Gerechtigkeit und ökonomische Stabilität zugleich“, diese drei Kriterien müßten erfüllt sein, wolle man von nachhaltigem Wirtschaften sprechen.

Nachhaltigkeit umfaßt also mehr als Bio-Produktion und Einhaltung von Tarifen, sie hat einen starken gesellschaftspolitischen Hintergrund: wie wollen wir mit unseren endlichen Ressourcen umgehen, wie können wir aktiv unsere Emissionen reduzieren, was tun wir mit gentechnisch veränderten Organismen? Kurz: wie wollen wir morgen leben?

Interessanterweise bestehe bei den Überschriften und Zielen ein breiter Konsens auch bei den Weinproduzenten. Dies habe sich in ersten Gesprächen und Workshops mit Winzern und Weingütern gezeigt, sagt von der Emde. Untersuchungen hätten auch gezeigt, daß es auch auf Verbraucherseite eine hohe Akzeptanz für Nachhaltiges Wirtschaften gebe. Deshalb habe man sich entschlossen, gemeinsam mit den Herstellern wissenschaftlich fundierte, praxisnahe Kriterien zu entwickeln und Betriebe zu zertifizieren. So ist auch das neue FairChoice Logo entstanden. Es soll Betrieben die Möglichkeit geben, ihre Zukunftsorientierung und ihr gelebtes Verantwortungsbewusstsein nach außen darzustellen.

Wie immer entzünden sich die Diskussionen, wenn es um Aufwand und Kosten geht. Was ist notwendig, um die Zertifizierung zu bekommen? Viele Betriebe seien schon heute näher dran, als man meine. Hier komme es darauf an, eine saubere Dokumentation zu erstellen. Andere hätten noch einen weiteren Weg zurückzulegen und betriebliche Abläufe zu verändern. Der Verein berät und unterstützt Betriebe im Vorfeld einer Zertifizierung  – hier entstehen Kosten, die von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich sind. Die Zertifizierung selbst liegt bei weniger als 2 cts pro Liter.

Das Projekt ist soweit fortgeschritten, daß ab 2011 selbstvermarktende Betriebe zertifiziert werden können. Die Kriterien-Kataloge für Genossenschaften, Kellereien und Fasswein-Produzenten sind in Arbeit. Der ganzheitliche Ansatz sieht vor, die gesamte Kette vom Produzenten bis zum Verbraucher zu zertifizieren – deshalb soll in Zukunft auch der Handel mit einbezogen werden.

In Deutschland gehe man mit Projekten oft erst an die Öffentlichkeit, wenn alles bereits 100% geprüft und „wasserdicht“ sei, sagt von der Emde. Dies widerspreche aber dem Prozeßcharakter des FairChoice-Projektes. Technische Innovationen, neue wissenschaftliche Erkenntnisse und gesetzlichen Rahmenbedingungen bis hin zur sozialen Lebensweise veränderten sich dynamisch – heißt es im Leitbild des Vereins. Deshalb gehe es um einen offenen und transparenten Dialog, in den alle beteiligten und interessierte Kreisen einschließlich der Endverbraucher einbezogen werden sollen. „Wir machen uns auf den Weg – und laden jeden ein, dabei mitzugehen“.

FairChoice – FairMade – FairTrade, kann es da nicht zu Verwechselungen kommen? „Vielen Menschen ist klar, daß wir zukünftig fairer miteinander und mit unserer Umwelt umgehen müssen. In diesem Sinn haben wir nichts dagegen in die „faire“ Ecke gestellt zu werden“ meint von der Emde zum Schluß.

Informationen zu FairChoice und dem Deutschen Institut für Nachhaltige Entwicklung (DINE) gibts auf der Webseite unter der Überschrift  „Blick Richtung Zukunft“

Empfehlen Sie diese Seite weiter:

Das könnte Sie auch interessieren: