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Weinzeitschriften – viele wissen wie es besser geht

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Wie weit geht es noch nach unten? Die Quartalsauflagen bei den Weinzeitschriften erodieren weiter. Im 4.Quartal 2012 wiesen bei den Abonnentenzahlen und beim freien Verkauf am Kiosk – sogenannte harte Auflage – die beiden Weintitel wieder ein Minus aus. Gegenüber dem Vorjahresquartal verlor die WEINWELT aus dem Meininger Verlag 7,33 % und  VINUM 4,94%.

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Keine Zeitungen mehr… foto:Schrottie/flickr/CC BY-NC-SA 2.0

Bei den beiden Titeln gibt es zum Jahreswechsel neues Personal. Wir berichteten darüber.

Nicht nur die Weintitel sind betroffen: auch der FEINSCHMECKER verlor im Quartalsvergleich über 10%. Stimmen aus der Online-Szene vermuten, dass auch FALSTAFF nicht besonders gut dastehen soll.

Vielen wissen, wie es besser geht

Sobald die Zahlen bekannt wurden, setzte online fast reflexhaft die Diskussion darüber ein, was denn in den diversen Publikationen falsch gemacht werde, was man besser machen könne  und wie denn überhaupt eine attraktive Weinzeitschrift auszusehen haben. Die Talfahrt der Wein- und Foodpresse  soll an der Aufmachung, am Layout, an den lahmen Themen und Texten liegen und dass ständig die falschen Weine und Restaurants besprochen werden.

Kaum jemand fragt in den Diskussionen nach den Lesern, die ja die Zeitschriften kaufen sollen. Wohl wissend, dass es gerade wegen der weitgehenden Finanzierung über Anzeigen immer noch des Nachweises einer gewissen Verbreitung und Akzeptanz bei der Zielgruppe in Form von Abos und Kioskverkäufen bedarf.

Fälschlicherweise werden in den Diskussionen die Zeitschriften, die nach diesem Modell funktionieren, oft mit Publikationen verglichen, die einen anderen Hintergrund haben, weil sie zum Teil als Beilage zu Tageszeitungen oder über die Winzerschaft und den Weinhandel verteilt werden.

Print ist nicht tot

Auch die immer wieder geäußerte Meinung, print sei tot, greift zu kurz. Zwar befindet sich die Zeitschriftenbranche insgesamt in einer Down-Phase. „uijuijui, viele rote Zahlen….“ schrieb der Chef-Kommunikator des DWI Frank R. Schulz auf Facebook nach der Veröffentlichung der neuesten  Auflagenzahlen im Branchenticker DWDL.de. Aber es geht auch anders.

Einen Titel gibt es noch, der weiter strahlt und zeigt, dass es auch anders geht – nämlich dann, wenn man nicht nur den ästhetischen Nerv, sondern ganz direkt die Herz des Publikums trifft. Dann steigen die Abo-Zahlen und man wird auch am Kiosk gekauft. Wie keine andere Publikation stehen die LANDLUST und die diversen Nachahmer für die Sehnsüchte einer breiten Leserschaft. Harmonie, Geborgenheit, Konfliktfreiheit, Familie, Natur – das sind die Themen, mit denen viele sich gerne zu einer Lektüre in die eigenen vier Wände zurückziehen.

Auch online boomt nur, was die Bedürfnisse trifft

Auch bei den Online-Angeboten boomen nicht Hardcore-Food-Sites wie „Effilee“, sondern die Seiten, die ganz praktische Tipps geben und Unterstützung im Alltag versprechen. Chefkoch.de konnte seine Besuchzahlen im Dezember 2012 um 34% auf über 41 Millionen steigern und auch  die Online-Version der alten Tante Essen&Trinken legte auf über 3,1 Millionen visits zu – ein stolzes Plus von 53% gegenüber dem Vorjahresmonat.

Könnte es vielleicht sein, dass das Interesse im breiten Publikum für Wein schwindet – sich also auch immer weniger Abonnenten und Käufer finden? Eine jetzt veröffentlichte Untersuchung lässt die Vermutung zu, dass selbst bei denen, die regelmäßig Wein konsumieren, Wein nicht die Hauptsache ist.

Wein ist eine schöne Nebensache – mehr nicht

Auf einer Skala von zwischen +3 und –3 sollten die Konsumenten angeben, wie groß ihr Interesse und ihr Engagement – Fachwort Involvement – für Wein ist. Das Interesse lag bei – 0,7, ihr Wissen schätzten die Befragten mit – 1,3 ein, genauso die Neigung, sich zum Thema Wein zu informieren.

Vor Jahren war Wein einmal ein beliebtes Smalltalk-Thema, auch das hat sich geändert: genießen, über Wein zu reden wurde, mit -1,0 bewertet und Wein als Lebensstil-Element liegt bei – 0,9. Das sind übrigens die Antworten von Männern – bei Frauen sind die Werte in der Regel noch 0,2 Punkte schlechter!

Die Studie der FA Geisenheim (veröffentlicht in der Weinwirtschaft 2/13) kommt an dieser Stelle zu dem Schluss, dass „die Konsumenten zwar Wein gerne trinken, sich aber im Durchschnitt nicht in besonders ausgeprägter Weise für Informationen um das Produkt engagieren“.

Diese These stützen auch die Erfahrungen aus der Geschichte der bisher auflagenstärksten Weinzeitschrift  mit einer zeitweisen Auflage von über 200.000 Exemplaren. Sie wurde von der Szene kaum wahrgenommen, obwohl sie von ausgewiesenen Wein-Journalisten und Fotografen gemacht wurde. Das JACQUES‘ JOURNAL liebten die Leser – der Beweis waren jede Menge Leserbriefe und Reaktionen. Als es eingestellt wurde, floß bei den Lesern manche Träne. Interessant: das Heft funktionierte, solange die Leser es gratis nach Hause geliefert bekamen – als es nur noch in den Jacques‘ Depots auslag, interessierte sich kaum noch jemand dafür.

Wein ist Bestandteil des Alltags geworden

Wein ist Bestandteil des täglichen Lebens geworden – das hatte RABO-Analyst Arend Heybroek hier schon vor ein paar Jahren festgestellt. Und eine Zeitschrift zum Weintrinken braucht man heute noch so wenig, wie ein Programmzeitung zum Fernsehgucken.

Weinzeitschriften werden zukünftig entweder ein reines Werbemedium oder Spezial-Titel für eine ganz kleine Zielgruppe sein. Man braucht kein Prophet zu sein: aus den Kiosken werden sie über kurz oder lang gänzlich verschwinden.

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